Moderne Beinprothesen

Unterstützung für Ihre Mobilität​

Was sind Beinprothesen?

Für die meisten Menschen sind Gehen, Stehen oder Sitzen selbstverständliche, alltägliche Abläufe. Nach einer Amputation im Beinbereich sind Hilfsmittel erforderlich, um diese Bewegungen weiterhin auszuführen.

Beinprothesen haben die Aufgabe, verlorene Körperfunktionen zu kompensieren und die damit verbundenen Einschränkungen so gut wie möglich zu reduzieren.

Eine moderne Prothese setzt sich aus verschiedenen Komponenten, sogenannten Passteilen, zusammen. Darunter fallen beispielsweise Prothesenfüße oder Kniegelenke, die mechanisch oder auch elektronisch (mikroprozessorgesteuert) geregelt sein können. Aus der gezielten Zusammenstellung dieser Bauteile ergibt sich die fertige Versorgung, die Ihnen zu mehr Selbstständigkeit im Alltag verhelfen kann.

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Welches ist die richtige Prothese für mich?

Die Anforderungen an eine prothetische Versorgung sind so individuell wie der Mensch selbst. Es gibt nicht die eine Lösung, die für jeden passt. Bei der Prothesen-Manufaktur-­Da Vinci GmbH entwickeln wir daher gemeinsam mit Ihnen ein Versorgungskonzept, das auf Ihre spezifische Situation zugeschnitten ist.

Faktoren wie der Verwendungszweck (Alltag, Beruf, Sport), der amputierten Gliedmaße, Ihr Alter und Ihre körperliche Verfassung fließen in diese Planung ein. Entscheidend sind aber auch Ihre persönlichen Wünsche und Ziele für die Zukunft. Auf diese Weise entsteht eine Versorgung, die Ihren Bedürfnissen bestmöglich entspricht.

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Die Komponenten einer Beinprothese

Beinprothesen bestehen aus mehreren Bauteilen, die sich grob in drei Bereiche gliedern lassen:

Der Schaft

Dies ist die entscheidende Schnittstelle und das Verbindungselement zwischen der amputierten Gliedmaße und der Prothese.

Funktionelle Passteile

Diese Komponenten übernehmen die Funktion verlorengegangener Gelenke, wie z.B. das Beugen und Strecken eines Kniegelenks oder die Beweglichkeit eines Fußgelenks.

Verbindungselemente / Adapter

Sie stellen die Verbindung zwischen dem Schaft und den funktionellen Passteilen her. Sie dienen nicht nur der Adaption, sondern auch der Einstellung der korrekten Länge und Statik und können Zusatzfunktionen, etwa eine Drehbewegung, ermöglichen.

Fußteil

Als wesentlicher Baustein der Prothese ersetzt es den menschlichen Fuß und bewältigt die komplexen Aufgaben beim Stehen und Gehen im Alltag. Da die Anforderungen an dieses Passteil sehr vielfältig sind, gibt es unterschiedlichste Ausführungen, um eine individuelle Versorgung sicherzustellen.

Die Amputationshöhe

Die Höhe der Amputation ist ein entscheidender Faktor bei der Auswahl der notwendigen Prothesenkomponenten. Die folgende Übersicht zeigt gängige Amputationsarten und den daraus resultierenden Prothesenaufbau.

HÜFTEXARTIKULATION

Amputationsart:

Hüftexartikulation, Hemipelvektomie, Hemikorporektomie

Beschreibung:

Bei der Hüftexartikulation erfolgt die Entfernung des gesamten Beins im Hüftgelenk. Wenn zusätzlich Teile des Beckens entfernt werden, spricht man von einer Hemipelvektomie. Die Hemikorporektomie bezeichnet die Entfernung des gesamten Beckens. Die Steuerung der Prothese erfolgt durch Bewegungen im Hüft- bzw. Beckenbereich.

Benötigte Passteile:

Prothesenschaft (Beckenkorb), Hüftgelenk, Kniepassteil, Fußpassteil, Verbindungselemente, Adapter

Amputationsart:

Oberschenkelamputation / Transfemorale Amputation

Beschreibung:

Hierbei wird der Oberschenkelknochen (Femur) durchtrennt. Man differenziert je nach verbliebener Knochenlänge zwischen langen, mittellangen und kurzen Stümpfen. Der verbliebene Oberschenkel steuert die Prothesenbewegung.

Benötigte Passteile:

Prothesenschaft, Kniepassteil, Fußpassteil, Verbindungselemente, Adapter

Amputationsart:

Knieexartikulation

Beschreibung:

Bei dieser Form wird das Bein im Kniegelenk getrennt, der Oberschenkelknochen bleibt also vollständig erhalten (teilweise mit, teilweise ohne Kniescheibe). Der Oberschenkel steuert die Prothese. Ein Vorteil ist oft der endbelastungsfähige Stumpf.

Benötigte Passteile:

Prothesenschaft, Kniepassteil, Fußpassteil, Verbindungselemente, Adapter

Amputationsart:

Unterschenkelamputation / Transtibiale Amputation

Beschreibung:

Bei dieser Amputation werden Schien- und Wadenbein (Tibia und Fibula) durchtrennt. Die verbliebene Länge der Knochen bestimmt die Einteilung in lange, mittellange oder kurze Stümpfe. In manchen Fällen wird eine Knochenbrücke zwischen Tibia und Fibula geschaffen. Die Steuerung der Prothese erfolgt über den verbliebenen Unterschenkel.

Benötigte Passteile:

Prothesenschaft, Fußpassteil, Verbindungselemente, Adapter, (optional Gelenkschienen)

Amputationsart:

Vorfuß-, Mittelfuß- oder Rückfußamputationen

Beschreibung:

Im Fußbereich existieren zahlreiche Amputationslinien, von der Entfernung einzelner Zehen bis zur Amputation des gesamten Fußes (z.B. nach Syme). Abhängig von der Amputationshöhe werden unterschiedliche prothetische Versorgungen genutzt, die von Silikon-Ersatzfüßen bis zu angepassten Einlagen oder komplexeren Prothesen aus Faserverbundstoffen (Carbon, Fiberglas) reichen.

Benötigte Passteile:

(je nach Art) Silikonprothesen, Fußplatte, Unterschenkelschale, Prothesenschaft

Sonderformen

Amputationsart:

Umkehrplastik (nach Borggreve)

Beschreibung:

Bei dieser seltenen Operation wird das Kniegelenk entfernt. Der Fuß, ein Teil des Unterschenkels und das Sprunggelenk werden um 180 Grad gedreht und an den Oberschenkelknochen angefügt. Das (nun nach hinten zeigende) Sprunggelenk übernimmt funktionell die Rolle des Kniegelenks. Diese Methode wird häufig bei Knochentumoren im Kniebereich angewandt.

Benötigte Passteile:

Oberschenkelhülse, Schaft für den Fuß, Gelenk-Schienen, Adapter, Fußpassteil

Amputationsart:

Angeborene Fehlbildung (Dysmelie)

Beschreibung:

Dysmelie bezeichnet eine angeborene Fehlbildung von Gliedmaßen. Ein Längendefizit am betroffenen Bein kann durch eine prothetische Versorgung ausgeglichen werden. Je nach Ausprägung der Fehlbildung kommen sowohl orthetische (stützende, korrigierende) als auch prothetische (ersetzende, ausgleichende) Bauteile zum Einsatz.

Benötigte Passteile:

Kniepassteil, Fußpassteil, Gelenk-Schienen, Adapter, orthetische Schalen/Schäfte

Beinprothesenarten

Beinprothesen unterscheiden sich stark, je nachdem, welche Amputationshöhe vorliegt – sie können vom Vorfuß bis zur Hüfte reichen. Auch der vorgesehene Einsatzzweck bestimmt maßgeblich die Bauweise und die verwendeten Komponenten. Man unterscheidet hauptsächlich zwischen Alltags-, Sport- und Badeprothesen.

Interims- und Probeprothesen

Direkt nach der Amputation wird eine Interimsprothese (Erstversorgung) als Übergangslösung eingesetzt.

Folgende Versorgungen, die dem Testen von Komponenten oder Schaftformen dienen, nennt man Probeprothesen. Diese sind wichtig, da sich die amputierte Gliedmaße besonders in der Anfangsphase an die neue Belastung anpassen muss und sich ihr Volumen oft verändert (Volumenschwankungen). Auch das Aktivitätsniveau des Trägers entwickelt sich.

Interimsschäfte bestehen meist aus thermoplastischen Kunststoffen, die leicht nachbearbeitet und angepasst werden können. Diese Phase ist wichtig, um verschiedene Komponenten (z.B. Kniegelenke oder Füße) zu erproben, bevor die endgültige (definitive) Prothese angefertigt wird. Wir bei Prothesen-Manufaktur-­Da Vinci GmbH begleiten Sie intensiv in dieser Testphase.

Definitivprothesen

Die Schäfte der Definitivversorgung werden meist aus langlebigen Gießharzen in Kombination mit Faserverbundstoffen (z.B. Carbon) hergestellt.

Diese Materialien sind leicht und gleichzeitig robust, um den Belastungen im Alltag oder bei speziellen Aktivitäten standzuhalten.

Das äußere Erscheinungsbild kann durch kosmetische Verkleidungen individuell gestaltet werden – ob unauffällig der Körperform nachempfunden oder als bewusstes Designelement, hier richten wir uns nach Ihren persönlichen Vorstellungen.

Einteilung von Prothesen nach Funktionsweise / Nutzung

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Alltagsprothesen

Diese Prothesen sind für den täglichen Gebrauch konzipiert und werden auf die Anforderungen und das Aktivitätslevel des Anwenders abgestimmt.

Durch die Kombination von mechanischen und/oder elektronischen Passteilen verschiedener Hersteller wird die Funktionalität für den Alltag sichergestellt. Für spezielle Tätigkeiten (z.B. im Beruf) können ergänzend auch spezielle Arbeitsprothesen sinnvoll sein.

Sportprothesen

Ob Laufen, Wandern, Radfahren: Speziell konstruierte Sportprothesen sind auf hohe Belastungen und spezifische Bewegungsabläufe ausgelegt.

Sie ermöglichen Trägerinnen und Trägern die Ausübung von Hobbys, Vereins- oder sogar Leistungssport.

Wasserfeste Gehhilfe / Badeprothese

Die meisten Alltagsprothesen sind nicht für den dauerhaften Kontakt mit Wasser ausgelegt. Für die sichere Bewegung in Nassbereichen, wie der Dusche, im Schwimmbad oder am Strand, gibt es gesonderte, wasserfeste Konstruktionen (Badeprothesen).

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Kinderversorgungen

Prothesen für Kinder müssen besondere Anforderungen erfüllen. Sie müssen dem stetigen Wachstum angepasst werden können und robust genug für Spiel und Bewegung sein. Eine kindgerechte Gestaltung wird dabei ebenfalls berücksichtigt.

Kosmetischer Ausgleich

Manchmal steht nicht die Funktion, sondern die Wiederherstellung des äußeren Erscheinungsbildes im Vordergrund.

Rein kosmetische Lösungen dienen diesem Zweck. Sie besitzen meist keine Gelenkfunktionen, können aber für das Körpergefühl und Wohlbefinden sehr wichtig sein.

Haben Sie Fragen?

Wir beraten Sie gerne persönlich!

Haben Sie noch offene Fragen oder wünschen Sie eine Einschätzung zu Ihrer aktuellen Versorgungssituation? Ganz gleich, ob Sie vor Ihrer ersten Prothese stehen oder bereits langjährige Erfahrung als Anwender mitbringen – wir nehmen uns die Zeit, Ihre Anliegen detailliert zu besprechen.

Vereinbaren Sie gerne einen Termin für ein persönliches Gespräch in unserer Manufaktur oder kontaktieren Sie uns vorab telefonisch. Gemeinsam klären wir, welche konkreten Möglichkeiten die moderne Orthopädietechnik für Ihren individuellen Bedarf bereithält.

FAQs

Beinprothesen ersetzen fehlende Abschnitte des Beins. Die Verbindung zum Körper stellt der Prothesenschaft her, der die amputierte Gliedmaße aufnimmt. An diesem Schaft werden die weiteren Passteile (z.B. Kniegelenke, Fußteile, Modulteile) befestigt.

Es gibt eine Vielzahl an Komponenten, die Bewegungen rein mechanisch oder auch mikroprozessorgesteuert (elektronisch) unterstützen. Dieser Aufbau aus Einzelteilen wird als Modularbauweise bezeichnet.

Die Kostenübernahme für eine Prothesenversorgung wird üblicherweise beim zuständigen Kostenträger (z.B. gesetzliche oder private Krankenversicherung, Unfallversicherung) beantragt. Dort wird der Antrag individuell geprüft. Bei einem bestehenden Versorgungsanspruch werden die Kosten in der Regel übernommen.  Wir unterstützen Sie bei der Antragsstellung.

Die Kosten für eine Beinprothese hängen stark von den verwendeten Komponenten, der Art der Versorgung und dem Einsatzzweck ab (z.B. Alltag, Sport, wasserfeste Ausführung). Durch die große Auswahl an Passteilen können die Preise erheblich variieren.

Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten, denn eine Prothese ist immer ein sehr individuelles Hilfsmittel. Man kann es gut mit Schuhen vergleichen: Auch hier gibt es unterschiedliche Modelle, die je nach Empfinden ganz unterschiedlich bequem sind. Welche Prothese aber im Endeffekt für Sie am dienlichsten ist, hängt von Ihren körperlichen Voraussetzungen, Ihrem Alltag und Ihren persönlichen Zielen ab.
„Kurz und knapp: Die beste Prothese ist die, die Sie am nächsten Morgen gerne wieder anziehen.“

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