Informationen rund um die Amputation

Amputation – Was passiert jetzt?

Zuallererst: Eine Amputation ist ein tiefgreifender Einschnitt, aber sie markiert den Beginn einer neuen Lebensphase. Es gibt vielfältige Möglichkeiten, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen, sei es über soziale Medien, in Selbsthilfegruppen oder durch den Kontakt zu „Peers“ (Betroffene beraten Betroffene). Orthopädietechniker/-innen, medizinisches Fachpersonal und physiotherapeutisches Fachpersonal unterstützen dabei, die neue Situation zu bewältigen.

Durch unsere Erfahrung wissen wir, dass jeder Mensch unterschiedlich mit solchen Herausforderungen umgeht. Die Akzeptanz der neuen Situation hat einen wesentlichen Einfluss auf den weiteren Verlauf und die Gestaltung des Alltags, unterstützt durch moderne prothetische Möglichkeiten.

© Ottobock

Unser Versorgungsansatz​

Ein individuelles Konzept als Basis

Eine Prothese funktioniert durch den Menschen, der sie trägt. Bevor wir mit einer Versorgung beginnen, lernen wir Sie kennen, um uns ein detailliertes Bild Ihrer Situation zu machen.

Ist Ihre Amputation frisch – oder steht sie vielleicht sogar noch bevor? Tragen Sie eventuell schon lange Prothesen? Benötigen Sie viel Beratung – oder haben Sie bereits klare Vorstellungen? Was sind Ihre persönlichen Ziele, wie gestaltet sich Ihr Lebensumfeld und wie sehen Ihre täglichen Anforderungen aus?

Nachdem wir verstanden haben, wer Sie sind und wohin Ihr Weg gehen soll, arbeiten wir am Konzept für eine Prothese, die zu Ihnen und Ihren persönlichen Möglichkeiten passen soll.

Teamarbeit in der
Versorgung

Unsere Ziele erreichen wir im Team – gemeinsam mit Ihnen, der Physiotherapie, dem medizinischen Personal und den Kostenträgern. Wenn alle Beteiligten an einem Strang ziehen, kann ein funktionelles Ergebnis erreicht werden.

Betreuung in jeder Phase

Wir holen Sie genau an dem Punkt ab, an dem Sie gerade stehen. Wir kennen die Unterschiede zwischen einer Erstversorgung und der Folgeversorgung von langjährig amputierten Menschen. Besser: Folgeversorgung von Menschen mit langjähriger Amputation.

Erfahrung und Weiter­bildung

Wir betrachten Weiterbildung als einen wichtigen Teil unserer täglichen Arbeit. Langjährige Erfahrung, kombiniert mit aktuellem Wissen, hilft uns bei der Entwicklung geeigneter Versorgungslösungen.

Grundlagen der prothetischen Versorgung

Die Mobilitätsgrade

Einschätzung der persönlichen Situation

Vor dem Beginn einer prothetischen Versorgung führen wir Gespräche und Untersuchungen durch, um ein Bild vom Zustand der zu versorgenden Person zu erhalten.

Zunächst wird ein Profil erstellt, das die aktuelle persönliche Situation darstellt. Dieses Profil umfasst unter anderem folgende Informationen:

Das Klassifizierungssystem der Mobilitätsgrade

Basierend auf dieser Profilerhebung erfolgt die Einordnung in einen von fünf Mobilitätsgraden. Diese Grade beschreiben die Aktivitäten, welche die anwendende Person potenziell ausführen könnte. Diese Klassifizierung hilft dabei, das Versorgungsziel zu definieren: eine Prothese, die darauf ausgelegt ist, diese spezifischen Aktivitäten zu unterstützen.

Die Mobilitätsgrade dienen auch als wichtige Orientierung bei der Auswahl der Komponenten, der Festlegung von Therapiezielen und der Einstufung durch Kostenträger.

Unsere Aufgabe ist es, in Absprache mit Ihnen die geeigneten Prothesenkomponenten auszuwählen und zu einer funktionellen Versorgung zu kombinieren, die Ihrer Situation entspricht.

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Mobilitätsgrade

Übersicht der Mobilitätsgrade

Mobilitätsgrad 0

Mobilitätsgrad 1

Mobilitätsgrad 2

Mobilitätsgrad 3

Mobilitätsgrad 4

Innenbereichs-Transfer (Nicht gehfähig)

  • Definition: Die anwendende Person besitzt aktuell, selbst mit fremder Hilfe, nicht die Fähigkeit, sich mit einer Prothese fortzubewegen oder sie für einen Transfer zu nutzen.
  • Versorgungsziel: Mobilisierung mittels Rollstuhl; es erfolgt keine funktionelle Prothesenversorgung.
  • Wenn gewünscht, ist eine kosmetische Versorgung möglich. 

Gehen im Innenbereich

  • Definition: Die anwendende Person hat das Potenzial oder die Fähigkeit, eine Prothese für Transferzwecke und zur Fortbewegung auf ebenen Flächen mit geringer Geschwindigkeit zu nutzen. Gehstrecke und -dauer sind aufgrund des körperlichen Zustandes stark limitiert.
  • Versorgungsziel: Wiederherstellung der Stehfähigkeit und der auf den Innenbereich beschränkten Gehfähigkeit.

Gehen im Außenbereich (eingeschränkt)

  • Definition: Die anwendende Person hat das Potenzial oder die Fähigkeit, sich mit einer Prothese langsam fortzubewegen und dabei kleinere Umwelthindernisse (z.B. Bordsteine, einzelne Stufen, unebene Böden) zu bewältigen. Gehstrecke und -dauer sind aufgrund des körperlichen Zustandes eingeschränkt.
  • Versorgungsziel: Wiederherstellung der Stehfähigkeit sowie der auf den Innen- und Außenbereich eingeschränkten Gehfähigkeit.

Gehen im Außenbereich (uneingeschränkt)

  • Definition: Die anwendende Person hat das Potenzial oder die Fähigkeit, sich mit einer Prothese mit mittlerer bis hoher, auch variabler Gehgeschwindigkeit zu bewegen und die meisten gängigen Umwelthindernisse zu überwinden. Sie kann sich im freien Gelände bewegen und berufliche oder therapeutische Aktivitäten ausüben, die die Prothese keiner übermäßigen mechanischen Belastung aussetzen. Gegebenenfalls besteht ein erhöhter Sicherheitsbedarf. Gehstrecke und -dauer sind im Vergleich zu Nicht-Betroffenen nur unwesentlich limitiert.
  • Versorgungsziel: Wiederherstellung der Stehfähigkeit und der im Innen- und Außenbereich weitgehend uneingeschränkten Gehfähigkeit.

Gehen im Außenbereich (hohe Anforderungen)

  • Definition: Die anwendende Person hat das Potenzial oder die Fähigkeit, sich mit einer Prothese uneingeschränkt im Außenbereich zu bewegen. Aufgrund hoher funktioneller Anforderungen können zusätzlich starke Stoßbelastungen, Spannungen und Verformungen auftreten. Gehstrecke und -dauer sind nicht eingeschränkt.
  • Versorgungsziel: Wiederherstellung der Stehfähigkeit sowie der im Innen- und Außenbereich uneingeschränkten Geh- und Mobilitätsfähigkeit.

Die prothetische Versorgung

Gründe für eine Amputation

Eine Amputation kann aus diversen Gründen medizinisch notwendig werden. Eine Hauptursache sind häufig arterielle Verschlusskrankheiten (Durchblutungsstörungen). Aber auch Diabetes, Karzinome, Unfälle oder angeborene Fehlbildungen können eine prothetische Versorgung erforderlich machen.

Die Phase vor dem Eingriff

Steht bei Ihnen aus gesundheitlichen Gründen eine Amputation bevor?

Nutzen Sie, sofern es möglich ist, die Zeit davor, um sich umfassend zu informieren. Medizinisches und psychologisches Fachpersonal, aber besonders wir als Orthopädietechniker/-innen, können helfen, einen Teil der Sorgen und Ängste vor dem „Danach“ zu besprechen.

Gerne beantworten wir Ihre Fragen zur prothetischen Versorgung in einem persönlichen Gespräch. Gut informiert zu sein, kann helfen, zuversichtlicher in die Zukunft zu blicken.

Der Weg nach der Operation

Eine Amputation verändert zunächst das gewohnte Leben. Um sich in der neuen Situation zurechtzufinden, sind einige Hürden zu meistern. Mit Unterstützung und Engagement können diese jedoch bewältigt werden.

Individuell versorgt

Von bewährt bis maßgefertigt

Amputierte Gliedmaßen verändern sich, genauso wie der Mensch auch allgemein. Durch die sogenannte Atrophie, das Schrumpfen von Muskelgruppen, die keine Funktion mehr ausüben, verändern sich amputierte Gliedmaßen im Laufe der Zeit.

Diese Veränderungen können Jahre oder Jahrzehnte nach einer Amputation problematisch werden. Unsere

Lieferanten
Otto Bock, Össur, Blatchford, Proteor, Ohio Willow Wood, Alps und Co.

bieten uns eine große Auswahl an

Silikonliner
Ein Silikonliner ist eine Silikonhülle, die unter anderem als Verbindungselement zwischen der amputierten Gliedmaße und der Prothese dient.

, die wir individuell einsetzen. Obwohl diese sich bestens bewähren, reichen sie nicht immer aus.

Aus diesem Grund haben wir uns auf maßgefertigte 3D Liner und Silikon-Versorgungen für jede Art von Amputation spezialisiert, damit jeder die Chance auf eine passende Versorgung erhält.

Die Phasen nach der Amputation

Eine Amputation bedeutet oft einen tiefgreifenden Einschnitt in die bisherige Lebensführung. Es gilt, sich an viele Veränderungen anzupassen und neue Herausforderungen anzunehmen. Mit professioneller Unterstützung und der nötigen Geduld ist es jedoch möglich, diese Hürden erfolgreich zu nehmen.

Bei der Rückkehr zur gewohnten Selbstständigkeit durchlaufen Sie in der Regel folgende Phasen:

Klinikaufenthalt und Wundheilung

Nicht direkt nach dem Eingriff wird man aus dem Krankenhaus entlassen. Unter ärztlicher Aufsicht stehen zunächst Wundheilung und Frühmobilisierung im Vordergrund. Zur Fortbewegung nutzt man vorläufig Hilfsmittel wie Krücken oder einen Rollstuhl.

Sobald die Heilung es zulässt, wird oft ein „Post-OP Liner“ an die amputierte Gliedmaße angepasst. Dieser dient der Kompression und Formung der amputierten Gliedmaße und hilft auch dabei, die durch die Operation bedingten Schwellungen zu reduzieren.

© Ottobock

Interimsprothese (Erstversorgung)

Gegen Ende des Klinikaufenthalts oder kurz nach der Entlassung startet die Versorgung mit einer ersten Interimsprothese. In dieser Phase verändern sich sowohl die amputierte Gliedmaße als auch das Aktivitätslevel der betroffenen Person.

Deshalb wird ein provisorischer, anpassbarer Schaft aus verformbarem Material gewählt. Auf Veränderungen kann so flexibler reagiert werden. In dieser Zeit können auch bereits Anforderungen und Vorlieben für die spätere, langfristig genutzte Definitivprothese erkannt werden. Die Dauer der Interimsversorgung ist individuell verschieden, oft beträgt sie etwa sechs Monate.

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Rehabilitation

Die Rehabilitation (Reha) fängt meist schon kurz nach der Amputation an und beinhaltet Maßnahmen wie Physiotherapie und Lymphdrainagen. In der Reha lernen Amputierte den Umgang mit ihrer neuen Situation und der eventuell schon vorhandenen Interimsprothese. Vielfältige Therapieangebote helfen, wieder mobil und für Alltag sowie Beruf fit zu werden.

Definitivversorgung (Langfristige Prothese)

Wenn sich der Allgemeinzustand stabilisiert hat, wird die Anfertigung einer dauerhaft nutzbaren Prothese geplant. Verschiedene Passteile werden anprobiert, kombiniert, getestet und ausgewählt, bis die individuell auf die Person zusammengestellte Versorgung dem aktuellen Status entspricht.

Später sind Kontroll- und Wartungstermine notwendig, da auch Prothesen einem Verschleiß unterliegen. Bei diesen Terminen stellen wir sicher, dass die Prothese funktionstüchtig bleibt. Wie bereits erwähnt, verändert sich die amputierte Gliedmaße im Laufe der Zeit. Deshalb führen wir zusätzlich eine Sichtkontrolle durch, um diese Veränderungen frühzeitig zu erkennen und rechtzeitig darauf zu reagieren.

Haben Sie Fragen?

Wir beraten Sie gerne persönlich!

Haben Sie noch offene Fragen oder wünschen Sie eine Einschätzung zu Ihrer aktuellen Versorgungssituation? Ganz gleich, ob Sie vor Ihrer ersten Prothese stehen oder bereits langjährige Erfahrung als Anwender mitbringen – wir nehmen uns die Zeit, Ihre Anliegen detailliert zu besprechen.

Vereinbaren Sie gerne einen Termin für ein persönliches Gespräch in unserer Manufaktur oder kontaktieren Sie uns vorab telefonisch. Gemeinsam klären wir, welche konkreten Möglichkeiten die moderne Orthopädietechnik für Ihren individuellen Bedarf bereithält.

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